
In wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist Mobbing keine Seltenheit. Jede und jeden kann es treffen.
Studien belegen, dass viele Arbeitnehmer oft erst sehr spät erkennen, dass sie in ihrer Firma schon länger gemobbt werden. Schütze dich deshalb und informiere dich über dieses aktuelle Thema!
Was ist Mobbing und wie entsteht es? Wie reagieren betroffene Arbeitgeber und Arbeitnehmer am besten? Und wie können sich Opfer besser schützen und wo finden sie Hilfe?
Was ist Mobbing?
Das Wort Mobbing stammt vom Englischen “to mob” und bedeutet soviel wie anpöbeln, ärgern, schikanieren. Der Begriff wurde zuerst vom Verhaltensforscher Konrad Lorenz geprägt (1963). Er bezeichnete damit Gruppenangriffe bei Tieren auf einen “Fressfeind” oder einen überlegenen Gegner. (z.B. eine Gruppe von Gänsen wehren sich gegen einen Fuchs). 1969 verwendete der schwedische Arzt Heinemann den Begriff für das Phänomen, dass Gruppen eine sich von der Norm abweichend verhaltende Person attackieren oder ausgrenzen. Heinz Leymann, ein weiterer schwedischer Arzt und Psychologe, sprach als erster von Mobbing im Bezug auf das Arbeitsleben. Nach 20 Jahren Forschung veröffentlichte er anfangs der 90er-Jahre seine erste, viel beachtete Arbeit.
Definition: Mobbing kann überall vorkommen, wo Menschen zusammenarbeiten oder in Beziehungen stehen- sei es in der Schule, am Arbeitsplatz, in einem Verein, in der Nachbarschaft oder innerhalb von Familien oder Zweierbeziehungen.
Mobbing in der Arbeitswelt bedeutet, dass eine Person oder eine Gruppe von gleichgestellten, vorgesetzten oder untergebenen Mitarbeitenden schikaniert, belästigt, beleidigt oder ausgegrenzt wird. Gemobbte Personen geraten durch die Gruppendynamik oder durch ein Machtgefälle in eine unterlegene Position. Sich daraus alleine wieder zu befreien ist enorm schwierig. Mobbing ist laut Leymann nur gegeben, wenn die Mobbing-Handlungen mindestens einmal pro Woche statt finden und mindestens ein halbes Jahr lang andauern.
Entstehung von Mobbing
Mobbing tritt in der Regel dann häufiger auf, wenn sich eine allgemeine Unzufriedenheit unter den Mitarbeitenden ausbreitet. Fusionen, Umstrukturierungen und wirtschaftlich harte Zeiten, in denen der Druck am Arbeitsplatz steigt, können erste Ursachen dafür sein. Daraus kann sich eine Dynamik entwickeln, die zu vermehrtem Mobbing-Verhalten führt. Esther Lauper und Klaus Schiller-Stutz unterscheiden fünf verschiedene Phasen bei Mobbing.
>> 1. Phase: Schlechte Konfliktbewältigung
Am Anfang eines Mobbing-Prozesses steht gemäss Leymann (1995) oft ein unausgetragener Konflikt, der mit der Zeit am Arbeitsplatz unterschwellig weiter wirkt und das Klima vergiftet. Allgemein herrscht eine aggressivere, gereizte Stimmung unter den Mitarbeitenden, es wird aber - zum Teil aus Angst - nichts dagegen unternommen.
2. Phase: Feindseligkeiten
Spitze Bemerkungen und Gehässigkeiten gegenüber bestimmten Personen sind gemäss dem Sündenbock-Phänomen die Folge. Es entsteht ein Ungleichgewicht. Die Feindseligkeiten nehmen zu und richten sich gezielt gegen eine bestimmte Person oder Gruppe. Der ursprüngliche Konflikt tritt dabei in den Hintergrund. Es kommt zur Polarisierung in eine „Opferrolle“ und eine „Täterrolle“. Auch bilden sich „Mythen“ über die betroffene Person (z. B.: „Wenn Frau K nicht im Team wäre, könnten wir viel schneller arbeiten“).
3. Phase: Rechts- und Machtübergriffe
Mit der gemobbten Person will jetzt niemand mehr zusammenarbeiten. Sie wird nicht mehr akzeptiert und respektiert. Dadurch wird sie zusehends unsicher, macht Fehler und fällt auf. Ihr schlechtes Befinden, das erst durch Mobbing entstanden ist, dient zur Rechtfertigung weiter gehender Ausgrenzungs-Akte. Der reguläre Arbeitsablauf wird gestört, sodass der Betrieb die Gemobbten zunehmend als lästig empfindet. Es wird ihnen nahe gelegt zu kündigen. Der Gesamtzustand des Mobbing-Opfers, hervorgerufen u. a. durch die soziale Isolation und die Zurückweisungen, verschlechtert sich weiter bis hin zu schweren Erkrankungen.
4. Phase: Ärztliche und psychologische Fehldiagnosen
Nach Resch (1994) verfügen viele ärztliche und psychologische Fachleute nur über geringe Kenntnis der Arbeitswelt. Deswegen können sie oft nicht verstehen, wie jemand an Problemen am Arbeitsplatz erkranken kann. Die Folge davon sind Diagnosen wie „Kindheits-Neurose“, „Wechseljahr-Depression“ und Ähnliches. Die Betroffenen machen dabei die Erfahrung, dass von dieser Seite auch keine Hilfe kommt.
5. Phase: Ausschluss aus der Arbeitswelt
Am Ende eines Mobbing-Prozesses steht der Ausschluss der Betroffenen aus der Arbeitswelt in Form von langfristiger Krankschreibung, Frührente oder Kündigung. Im Extremfall versuchen sie ihre Konflikte am Arbeitsplatz mit (Waffen-) Gewalt zu lösen oder Selbstmord zu begehen.<<
Nicht jeder Mobbing-Fall durchläuft alle fünf Phasen. Oft kommt es bereits nach Phase 3 zur Kündigung oder zu Arbeitsplatzwechsel.
Was kann ich gegen Mobbing unternehmen?
Für Mobbing-Opfer ist es oft nicht einfach, sich alleine gegen die Ungerechtigkeiten des Mobbings zu wehren. Wenn du folgende Schritte unternimmst, kannst du deine Situation verändern und hoffentlich auch verbessern.
1. Schreibe alles auf!
Bevor du etwas unternimmst, ist es wichtig, genau zu analysieren, ob du wirklich gemobbt wirst und wie lange dies schon andauert. Unter www.mobbing-zentrale.ch/wastun.htm findest du eine Liste von typischen Mobbing-Handlungen. Überprüfe objektiv, ob du wirklich gemobbt wirst. Falls du verschiedene Situationen und Handlungen wiedererkennst, schreibe alles auf, was zutrifft und versuche dich zu erinnern wann (Datum) die Mobbing-Handlungen vorgekommen sind.
2. Suche das direkte Gespräch
Es kommt immer wieder vor, dass Mobbing-Verhalten nicht böswillig sondern unbewusst geschieht. Gerade in wirtschaftlich harten Zeiten stehen auch die Vorgesetzten unter grossem Druck. Die erhöhte Nervenbelastung kann dazu führen, dass jemand schnell die Etikette verliert oder Unmögliches von Mitarbeiter erwartet. Ein offenes und verständnisvolles Gespräch kann hier sehr viel bewirken. Bleibe dabei aber stets höflich, unterstelle dem Gegenüber keine bösen Absichten.
3. Hol dir Hilfe von professioneller Seite oder von Freunden
Es gibt mehr Mobbing-Opfer, als du glaubst. Hilfe in juristischen Fragen kannst du dir bei einem Rechtsanwalt holen. Ev. findest du in der nächst grösseren Stadt sogar eine Mobbing-Beratungsstelle. Für das seelische Wohlbefinden ist es wichtig, gute Freunde zu haben. Erzähle, was du erlebt hast und bitte um Rat. Geh ev. auch zu einem Psychologen, der dir die Verhaltensmuster von Mobbing erklären kann und dir Tipps gibt, wie du dich besser schützen kannst. Aber Achtung: laufe nicht irgendwelchen selbst ernannten “Mobbing-Gurus” in die Arme.
Mehr Tipps zum Thema Mobbing findest du unter:
www.mobbing-info.ch
http://de.wikipedia.org/wiki/Mobbing
www.neueslernen.ch
www.viavia.ch (Rechtsberatung)
« Tipps für das Anschreiben – Wie umgehen mit einer Bewerbungsabsage? »
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Immer wieder kommt es vor, dass Menschen durch Mobbing in den Tod getrieben werden. Hier muss man davon ausghehen, dass eine Dunkelziffer besteht.
Mobbing wird so gesehen noch immer verharmlost.
Was ich als Berater immer wieder antreffe:
Mangelhafte Arbeitsstrukturen als Voraussetzung für Mobbig, z.B. fehlende Kommunikationskompetenz, Führungskompetenz, Fachkompetenz von Vorgesetzten kombiniert mit einem völlig ungenügenden Stellenbeschrieb / Pflichtenheft, speziel in Teams mit interprofessioneller Zusammensetzung, was zwangsläufig zu anhaltenden Reibungsverlusten in der Zusammenarbeit führt. Fehlende qualifizierte Führungsausbildung und mangelndes Organisationswissen führt dann dazu, dass involvierte Führungsleute nicht in der Lage sind, die Situation zu verstehen und geeignete strukturelle Korrekturen anzubringen und statt dessen personalisieren, “auf den Mann, auf die Frau spielen”.
Dazu begegnet man immer wieder dem Vorurteil, dass gemobbte Personen schwach seien. Oft ist das Gegenteil der Fall. Die gemobbte Person verkörpert etwas, das die mobbende Person nicht hat. Mobbing hat das Ziel, die Person zu zerstören.
Gefährdet sind überqualifizierte Arbeitnehmer, die dazu sehr pflichtbewusst sind.
Grundsätzlich können alle in diese Sitution kommen.
http://www.humankonzept.ch/beratung/mobbingberatung
Comment: Simon Gerber – 20. Oktober 2010 @ 19:05